Mrz 27

Favstar – der ultimative Short Guide

Was ist favstar.fm?

Twitter als (Echtzeit-) Veröffentlichungsmedium für Kurznachrichten (so genanntes „Microblogging“) hat leider EINE Schwachstelle: Ist ein Text (Tweet) einmal geschrieben, dann kann der Autor ihn nicht mehr wiederholen. Er kann ihn weder retweeten noch den selben Wortlaut wiederverwenden.

Zum „Recyclen“ von Tweets bräuchte er also ein Zweitaccount, dem möglichst seine gesamte Leserschaft folgt.

Vermutlich betreiben einige Twitterer dieses aufwändige Spielchen. Da Twitter ein soziales Netzwerk ist, bietet sich eine alternative Lösung gegen den „schnellen Tweettod“ an: gegenseitige Hilfe unter den Followern! Wer Follower hat, die regelmäßig das „BEST OF“ retweeten und sogar ältere Schätze bergen, kann sich also glücklich schätzen.

Das Zurückblättern bei Twitter gestaltet sich aber schwierig. Da sind Retweets im Wege und es wird immer langsamer geblättert, bis nach einigen Wochen die Anzeige stoppt – und hier kommt Favstar ins Spiel!

Warum Geld bezahlen für Favstar?

Die kostenlose Anmeldung erlaubt, die 20 erfolgreichsten Tweets auf der Favstar-Seite präsentiert zu sehen, sowie die 20 neuesten. Jeder Tweet bekommt praktischerweise einen Favstar-Link, den man in einem neuen Tweet verbreiten kann!

Man kann seine Favoriten bei Favstar abonnieren und bekommt diese dort übersichtlich angezeigt. Außerdem kann man von anderen Mitgliedern eine Trophäe „Tweet des Tages“ verliehen bekommen. Retweets werden übrigens nicht angezeigt, so dass ein Zurückblättern einfacher wird als bei Twitter selbst.

Als Pro-Mitglied für nicht ganz billige 29,99 Dollar pro Halbjahr kannst Du Dein Gesamtwerk durchblättern, dabei überflüssige eigene Tweets bequem löschen – und einen „Tweet des Tages“ picken. Außerdem gibt es mehr oder weniger nützliche Benachrichtigungsfunktionen, z.B. Mention bei festgelegter Sternezahl. Nachdem sich der Autor dieses Beitrags zum Jahresende 2013 angemeldet (und seine Leserschaft/Timeline davon in Kenntnis gesetzt) hat, hörte sein Tablet zuerst einmal nicht mit Brummen auf. Es wurde fleißig von seinen damals etwa 1000 Followern zurückgeblättert – und einige wenige ältere Tweets waren plötzlich richtig erfolgreich. Ein spannendes Rennen zeichnete sich ab.

MEIN TIPP: überlasst der Twitter- und Favstar-Community, was diese gut finden soll! Ihr solltet nicht erzwingen wollen. Manch ein vermeintlich überragender Tweet trifft einfach nicht den Nerv oder Humor bei Twitter. Umgekehrt wird manchmal merkwürdiges Zeugs begeistert aufgenommen, was außer Twitterern niemand verstehen würde. Das ist eben Twitter!

Was heißt „einen Tweet picken“ und was bringt das?

 


Zusätzlich zu den Twitterfunktionen FAV und RETWEET bietet Favstar.fm eine Zusatzfunktion in Form eines Pokals. Ein zahlendes Mitglied kann einmal pro Tag einen fremden Tweet auswählen (picken), der bei Favstar neben FAV/RETWEET als zusätzliches Symbol einen goldenen Pokal erhält. Gleichzeitig verschickt Favstar einen Benachrichtigungstweet an den Empfänger inklusive Link des ausgezeichneten Tweets. Solch ein Pokal ist ein großes Kompliment und es verwundert, dass Twitter selbst nicht mehr als 2 (!) soziale Interaktionen (neben Mentions/ Erwähnungen) kennt.

Sollte ich mich nur auf Favstar.fm-Mitglieder konzentrieren?

Bisher sind vor allem die erfolgreichsten Twitterer angemeldet. Denjenigen Pokale zu verleihen, die einem selbst nicht folgen, wäre vermutlich weniger hilfreich. Am besten ist doch, ich belohne möglichst viele von denen, die mich und meine Texte positiv wahrnehmen! Diejenigen, die auch zurückblättern, um nachzulesen, was sie von mir verpasst haben. Diejenigen, mit denen ich spannende und witzige Diskussionen habe.

Was sind die Gefahren bei Favstar.fm?

Tweets bei Favstar werden gefunden! Zumindest die 20 erfolgreichsten. Du bist also quasi eine öffentliche Person! Ab 500 Followern wird ein Autor bei Twitter ohnehin nicht mehr als Privatperson betrachtet. Schreibt er nun Beleidigungen oder verletzt Urheberrechte, dann kann er zur Verantwortung gezogen werden! Das Kopieren wird allerdings bisher noch als Kavaliersdelikt gesehen. Dazu später mehr.

Bei Beschimpfungen hört der Spaß jedoch definitiv auf! Wer als Person zu identifizieren ist, muss wie im realen Leben mit Konsequenzen rechnen. Doch auch der anonyme Twitterer kann gesperrt werden. Dann sind alle seine bisherigen Beiträge futsch!

Mir sind Beispiele bekannt, wo Twitterer, die in Tweets ihre verletzliche Seite bei Twitter gezeigt haben, aggressive Reaktionen und Drohungen bekommen haben. Die Twitter-Gemeinschaft wird solche Aggressoren schnell isolieren und notfalls ganz aussperren lassen.

Lohnt es sich, fremde Texte zu kopieren?

Fördert Favstar die eigene Kreativität – oder verleitet es eher zum Texte kopieren? Das Kopieren von fremden Inhalten (provokativ auch „Tweet-Klau“ genannt) lässt sich nicht so ohne weiteres vermeiden.

Ich gebe mal ein Beispiel: Wir diskutieren über die Vorzüge von Kölsch und Altbier und mir fällt da eine Karikatur ein, die ich unbedingt in die Diskussion einbringen möchte:

Theoretisch könnte der Eigentümer des Bildes eine Abmahnung schicken, aber mir ist nicht bekannt dass jemals ein (ohne böse Absichten!) verwendetes Bild abgemahnt wurde.

Bei kopierten Kalendersprüchen ist es ähnlich zu sehen. Ein privater Sittenwächter bei Twitter namens @Twolizei prangert die dreistesten Tweetkopierer regelmäßig an und beschreibt auch auf seiner Website, wo für ihn die Grenzen liegen. Ich folge dennoch einigen von den Angeprangerten, weil diese ohne Hintergedanken zum Zwecke der Kommunikation gelegentlich fremde Texte verwenden ohne weitere Zitatangaben. Ich selbst würde (außer versehentlich!) keine Texte von anderen Autoren verwenden. Meine Leidenschaft war aber immer schon die Sprache. Ich fände es langweilig, mir Sprüche zusammen zu suchen. Mein persönliches Fazit: Letztendlich sehe ich es sogar als Hilfe an, wenn meine Texte innerhalb von Twitter kopiert werden. Als Erstautor bleibe ich schließlich der Rechteinhaber!

Lohnt sich Favstar.fm dauerhaft?

Um Twitter in seiner Vielfalt zu entdecken und selbst entdeckt zu werden, gibt es zur Zeit keine ähnlich brauchbare Alternative! Wer vollen Durchblick über seine selbstgeschriebenen Texte wünscht, kommt an Favstar nicht vorbei. Allerdings muss man eigentlich nicht dauerhaft als Pro-Mitglied angemeldet bleiben. Ein ganzes Jahr für 60 Dollar (50 Euro) lohnt eher für „Profis“. Man kann sich auch abmelden und später wieder einsteigen.

Und zuguterletzt: Irgendwann wird Twitter vermutlich selbst auf die Idee kommen, Ähnliches wie Favstar zu bieten. Oder es aufzukaufen.