Türkisch to Go – ein Erfahrungsbericht

Warum lohnt es sich, Türkisch als 4. Fremdsprache lernen?

Die Idee zu diesem Artikel kam mir, als ich ein Buch mit diesem Titel in die Finger bekam! Jeden Tag ein Kapitel durcharbeiten und dann „Mitreden können in 5 Stunden“– so verspricht es ein Verlag. Da ich gerne Sprachen lerne und auch türkische Musik mag, will ich diese einmalige Gelegenheit nutzen, um meine 4. Fremdsprache zu lernen. Zur Unterstützung bei diesem Projekt habe ich mir eine Oberstufenlehrerin für Deutsch und Englisch hinzugeholt.

Im Buchhandel entdecke ich noch weitere türkische Selbstlern-Kurse, die ähnliches versprechen – und besorge mir auch noch das Kauderwelsch-Buch vom Marcus Stein, einen Lehrgang mit Türkisch 2 x 10 Minuten täglich und ein Buch, das sogar verspricht: Geschichten lesen ohne (!) Vorkenntnisse Wörterbuch, also spielerisch türkisch lernen, ganz ohne Grammatik und Vokabelpauken? Später bekam ich noch ein weiteres Buch empfohlen “Türkisch ohne Mühe” von Assimil.

Beginn des Experiments – Der Einstieg: Aller Anfang ist… unterhaltsam!

EINES VORWEG: keines der gängigsten Selbstlern-Bücher überzeugt mich 100%ig. Eine Kombination scheint am Sinnvollsten, um den größtmöglichen Lernerfolg  zu erzielen. Und: Als Lernvorlagen taugen alle 3 Bücher nur bedingt! Man ist ständig am Hin- und Herblättern  zwischen Lektionen, Vokabelteil und Grammatikteil. Wo genau ich fündig werde, ist sehr unterschiedlich. Manchmal auch gar nicht, so dass ein zusätzliches Wörterbuch nicht schlecht wäre. Die genannten Stärken der Bücher müssten sich doch kombinieren lassen? Vielleicht arbeite ich mit den Büchern parallel unjd suche mir das Beste raus? Außerdem mangelt es in jedem Fall an geeigneten (betont langsamen!)  Aussprachehilfen für den Anfänger, fand ich nach dem Testen der beiliegenden CDs…

Platz 5

Nur Zähneputzen ist einfacher: Türkisch 2 x 10 Minuten täglich!

Erster Text mit Hörprobe: ein Lückentext – und ich suche verzweifelt die fehlenden Vokabeln, die als Wortbaustein-Rätsel oben drüber stehen. Da fühle ich mich doch etwas voreilig ins kalte Wasser hineingeworfen! Außerdem nerven die Schnellsprecher einen absoluten Anfänger sehr. Selbst wenn ich mich vorher mit den Ausspracheregeln beschäftigt habe.

Da ich nicht so schnell aufgebe, habe ich mir das Buch intensiver vorgenommen. Anscheinend führt kein Weg daran vorbei, zuerst die Lückentexte zu ergänzen. Dann könnte ich diese zum Vokabeln lernen benutzen! Tatsächlich bleiben viele Vokabeln unübersetzt. Beim häufigen Nachschlagen hinten im Buch liegt die Erfolgsquote schätzungsweise bei etwa 50%!

Bei längeren Sätzen kann man entweder den ganzen Satz auswendig lernen, ohne die einzelnen Bestandteile zu verstehen  – oder  man versucht mühsam, die Worte im Vokabelteil hinten im Buch zu erforschen. Leider oftmals vergeblich. Wenn ich in einem Monat einigermaßen türkisch sprechen können möchte, kann ich mich mit so etwas nicht aufhalten. Mein Urteil: Lieber Verlag, bitte überarbeiten!!!

Platz 4

„Mitreden in 5 Stunden“?

Ähnliche Erfahrungen wie beim anderen Buch. Ähnliches Konzept, aber etwas besser gelungen…

Platz 3

Kauderwelsch

Als nächstes nehme ich mir das Kauderwelsch Buch vor. Dieses Sprachkonzept hat mich sofort begeistert! Die Idee, dass man auf unterhaltsame Weise die Tücken und grammatikalischen Besonderheiten einer Sprache vermitteln kann, bewies zuletzt der Lehrer und Kabarettist Steffen Möller mit seinem Buch „Viva Polonia!“- und schaffte es sogar damit in die Bestsellerlisten! Ich verliere sofort die Scheu vor der doch so abschreckenden „Bandwurmsprache“ und blättere begeistert durch das Buch. Der Einstieg mit umfangreicher Grammatik ist einfacher als erwartet – und ausgestattet mit verschieden farbigen Textmarkern habe ich die türkischen Wortumgetüme schnell gebändigt. Eigentlich ganz charmant und unkompliziert, wie in der türkischen Sprache auf viele Worte verzichtet wird – mit Hilfe von Endungen und gelegentlichen ästhetischen Anpassungen.

Sobald ich das Prinzip verstanden habe, kann ich mit dem Auswendiglernen meiner ersten Phrasen beginnen.

Platz 2

Türkische Geschichten lesen ohne Wörterbuch!

„Das Buch ist eine Art Kurzgeschichte, wurde aber so konzipiert, dass man ohne Vorkenntnisse oder ohne Wörterbuch eine Geschichte in einer anderen Sprache lesen und verstehen kann“ laut Verlagsangaben auf Amazon, grammatikalisch von mir leicht korrigiert.

Wow! Genau das suche ich doch, anstatt stundenlang im Vokabelteil herum zu suchen. Der deutsche Beschreibungstext bei Amazon wimmelt nur so von Fehlern. Ich frage also: Taugt das erst Anfang 2012 erschienene neuartige Buch etwas? Was versprechen die Autoren im Klappentext?  Auf dem Buchrücken gehen die Autoren detailliert auf die Lernidee des Buches ein. Zum Glück dieses Mal (so gut wie!) fehlerfrei, sonst hätte ich es bei Seite gelegt…

Das Türkischbuch „Maria sag Mama – Meryem Anne de“ will  bewusst nicht direkt in die Grammatik einsteigen und in kürzester Zeit komplizierte Regeln lernen, weil das eher demotiviert. Das Konzept: beginnend mit dem kleinsten Baustein der Sprache, vielen gleichartigen Wiederholungen, so dass die Geschichte „wie ein Schneeball mit leichten Erweiterungen wächst“. Dazu braucht der Lernende kein Wörterbuch – denn die genaue Übersetzung steht immer direkt daneben. Verbtabellen mit Konjugationen der häufigsten Wörter gibt es als nützliches Begleitbuch.

Klingt gut. Dann schauen wir doch mal hinein…

Die Geschichte fängt mit  einer Art Babysprache an. Der Wortschatz wächst. Und wächst. Da neue Worte fett hervorgehoben sind, muss ich nicht lange den Satzzusammenhang erforschen. So stelle ich mir ein praxistaugliches Buch, sozusagen „Türkisch to Go“ vor. Aber wird das langweilig, oder kann man den Buchautoren glauben, die versprechen „jede wie eine Wiederholung aussehende Zeile verstehen und sich über seine Erfolge freuen wird“?

Da mir noch lange Bahnfahrten bevorstehen, habe ich genügend Zeit zum Ausprobieren. Die Begleit-CD bekam ich direkt beim Verlag für fast umsonst. Ich wünsche mir, dass dieses Buch bekannter wird. Eine Fortsetzung ist geplant.

Platz 1

Türkisch-Selbstlernbuch von Assimil

Das Buch “Türkisch ohne Mühe” von Assimil scheint schon nach kurzem Durchstöbern ein Geheimtipp zu sein! Es verspricht realistischerweise „das Erlernen des Lektionsstoffes in 4-6 Monaten“ und soll nach Eigenwerbung auf humorvolle Weise und in Kompaktform (ohne touristische Floskeln allerdings!) die Sprache vermitteln. Der Ansatz von Assimil , die Fremdsprache wie ein Kind durch Assimililation (Verinnerlichung) zu lernen klingt ähnlich wie das „Meryem Anne De“-Buch.

Literaturliste zum Nachmachen

(1) Kauderwelsch Band 12 – „Türkisch Wort für Wort“ von Marcus Stein, Verlag Reise Know How, Auflage 2010, 7,90 EUR (Aussprache-Trainer-CD muss extra dazugekauft werden für 7,90 EUR)

(2) Mini-Sprachkurs Türkisch: „Mitreden können in 5 Stunden“ von Canan Özdamar, PONS Verlag, Auflage 2010, 6,99 EUR (Mini-CD liegt bei, außerdem kostenlose Downloads verfügbar!)

(3) Turbokurs „Fit in Türkisch – In 2 x 10 Minuten täglich“ von Erkin Günesdogdu, Cornelsen Verlag, Auflage 2011, 14,95 Euro (CD inklusive)

(4) „Maria sag Mama! – Geschichten lesen ohne Wörterbuch Band 1“ von Asalet Sancakdaroglu, Aslernen Verlag, Auflage 2012, 12,90 EUR (Hörbuch-CD muss extra dazugekauft werden für 9,90 EUR).

(5) ASSiMiL Selbstlernkurs für Deutsche: Assimil. Türkisch ohne Mühe. Lehrbuch mit 500 Seiten, 71 Lektionen, 145 Übungen + Lösungen 22,00 Euro (mit CD deutlich teurer, um die 100 Euro!)

Abschließender Hinweis: Sämtliche Bücher habe ich mir selbst gekauft.  Falls die angesprochenen Verlage ihre Bücher überarbeiten sollten, nehme ich die Verbesserungen gerne auf.


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2 Kommentare

    • Meryem on 22. August 2012 at 12:21

    Vielen Dank für den Tipp, die kleine Meryem werd ich mir gleich mal zulegen, 🙂

    Ich bin kein Sprachtalent und eiere mit meinem Türkisch seit Jahren rum, ohne entscheidende Fortschritte, mangels Praxis. Mein Mann spricht zu Hause deutsch und so viel sind wir nun auch nicht im Urlaub in der TR -wo dann auch überwiegend Kurdisch gesprochen wird.
    Beim Selbstlernen hab ich auch so einiges durch. Am besten fand ich noch „Türkisch ohne Mühe“ von Assimil, allerdings laufen die CDs nicht auf meinem laptop, warum auch immer. Das Buch ist schon älter.

    Im Internet nutze ich Bab.La, vor allem „hangman“ auf Türkisch, :-). Seit ein paar Monaten lerne ich auch Vokabeln bei babbel.com – das ist kostenpflichtig, aber zu zivilem Preis und sehr professionell. Richtige Kurse für Türkisch sind aber erst im Aufbau.
    „Livemocha“ ist auch noch eine Plattform zum Sprachenlernen, aber da bin ich nicht heimisch geworden, ist wohl Geschmackssache.

    Viel Spaß noch beim Türkischlernen! Grüße von Meryem

  1. Merhaba Meryem!

    Danke für Deine nette Antwort und die vielen brauchbaren Tipps. Ich habe gleich im Netz recherchiert.

    1. Interaktives Sprachportal Babbel
    Bei Babbel habe ich eine kleine Probelektion gemacht. Gut finde ich, dass danach abgefragt wird, wie es weitergehen soll: 1. Soll Babbel deine gelernten Vokabeln in sinnvollen Abständen wiederholen? 2. Wann möchtest du die nächste Runde lernen? 3. Wie soll der Schwierigkeitsgrad der nächsten Runde sein? (etwas leichter/ genauso wie die erste Runde/etwas schwerer). Nach einer kleinen Einführung muss ich mich für weitere Schnupperlektionen aber registrieren! Ich berichte von weiteren Lernerfahrungen…

    Einen Vergleich der 3 „zur Zeit erfolgreichsten interaktiven Sprachportale“ (Babbel, Busuu und Livemocha) bietet die Seite Idiomator:
    http://www.idiomator.at/2011/12/26/sprachportale-im-test-babbel-vs-busuu-vs-livemocha/

    2. Weiteres Türkisch-Selbstlernbuch von Assimil
    Das Buch“Türkisch ohne Mühe” von Assimil scheint ein richtig guter Tipp zu sein. Habe es in meinen Test aufgenommen – und es ist eindeutig der Testsieger!

    3. Tipp: 24 Stunden Türkische Musik auf Balkanika TV
    Ich lerne übrigens auch die Sprache mit türkischer Musik und verstehe immer mehr davon. Der Musiksender Balkanika TV läuft 24 Stunden über viele Kabelfernsehnetze. Ich muss mal meine Top 10 Lieblingssongs als Links hier reinstellen z.B. Para Yok von Murat Boz, Bitter çikolata von TuÄba Özerk oder (total witzig!) Sen De Bizdensin von Mansur Ark
    Görüşürüz!

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