Wanderbericht Filzmoos – mein ganz persönlicher Jakobsweg

Ein letztes Mal gehe ich hinauf auf die Hofalmen, um Abschied zu nehmen von diesem kraftvollen Fleckchen dem nachgesagt wird, dass hier eines der fünf Kraftzentren auf der Erde sein soll.

Es ist gegen 9:00 Uhr. Der Himmel ist noch strahlend blau und ich mache das erste Foto von dem hohen Berg, der weit über das Tal hinaus sichtbar ist, der Bischofsmütze.

Bis zum Wald gehe ich Dorf auswärts, an den letzten Häusern vorbei, die Blumen bestaunend, die in den Vorgärten und auf den Wiesen noch reichlich zu sehen sind.

Der Wald, als Naturpfad ausgezeichnet, ist besonders schön, da ich immer etwas auf-
und abwärts gehen muss und ab und zu ein Rinnsal den Fußweg kreuzt. Der Himmel bezieht sich und es fängt etwas an zu nieseln. Aber das macht mir nichts aus. Am Ameisenhaufen verweile ich einen Augenblick. Die fleißigen Waldbewohner sind heute nicht so zahlreich zu sehen, wie Tage zuvor im hellen Sonnenschein. Die Spur führt bis in den Wald, sogar an einer Tanne aufwärts. Nach kurzer Zeit verlasse ich den Naturpfad und trete auf einen kleinen Wiesenhügel nahe des sich groß auf tuenden Tannenwaldes. Diesen Platz liebe ich besonders. Hier bestaune ich die vielen Thymianbeete, die teilweise von blauen Glockenblumen umrandet sind und auch die anderen bunten Kräuter und Wiesenblumen. Ein Foto kann ich momentan noch nicht machen, denn es fängt tüchtig an zu regnen. Die dichten Tannen gewähren mir Schutz und es macht Freude, hier drunter zu stehen, dem Regen zuzuschauen und abzuwarten, bis nur ganz kurz die Sonne für ein Erinnerungsfoto aus den dicht verhangenen Wolken herausschaut.

Da kam mir der Gedanke: „Du hast in der ganzen Wanderwoche noch kein Reh gesehen.“

Ich schicke ein herzliches „Dankeschön“ nach oben und gehe dann weiter und mir fällt auf, dass ich zu dichten anfange über all das, was ich mit meinen Augen wahrnehme. Und das ist eine ganze Menge. „Jetzt bräuchte ich ein Mikrofon“. Nach jedem Erlebnis sage ich: „Und ich gehe weiter, schweigend!“ Ob es ein aus dem Wald herunterkommendes Bächlein ist, eine zum Ausruhen am Wege stehende Bank, an der immer mal zwischen den hohen Tannen hervor schauenden Bischofsmütze oder den Kühen, die auch im Hochwald herumlaufen und sich Nahrung suchen. Oder an einem Spinnennetz, welches zwischen den Bäumen hängt und im wieder hervorschauenden Sonnenlicht sich widerspiegelt. Hier bleibe ich eine Weile stehen. Natürlich halte ich dieses mit meiner Kamera zur Erinnerung fest und auch einen Pilz, der unter seinem Hut einem kleinen Pilzkind Schutz gewährt. Hier an diesem so schönen Ort trete ich tiefer in den Wald und genieße die Ruhe und Stille und lausche den Stimmen der Vögel, die vereinzelt zu hören sind. Da kam mir der Gedanke: „Du hast in der ganzen Wanderwoche noch kein Reh gesehen.“ Und das ist für mich immer ein Highlight.

„Aber wünschen kann ich es mir doch“, waren meine Gedanken.

„Na ja, ich muss auch mal demütig sein.“ „Aber wünschen kann ich es mir doch“, waren meine Gedanken. Und schon nach ganz kurzer Zeit, höchstens zwei Minuten später, ich traute meinen Augen kaum, sah ich in etwa 50 m Entfernung, tief unten im Wald, still schweigend ein Reh äsen. Wie war ich glücklich. Ich trete aus den Wald heraus und gehe den Waldweg weiter zur Lichtung, den Tannenwald nur noch zur rechten Seite. Von hier habe ich einen schönen Blick auf die Bischofsmütze. Noch einmal gehe ich über einen Naturpfad und durch einen Wald, etwas bergan steigend, erreiche ich die Forststraße, die zu den Almen führt. Oh, welch ein Anblick auf das schöne Bergmassiv. An der Wasserstelle fülle ich meine Flaschen mit frischem Quellwasser auf und halte meine Arme für kurze Zeit in das eiskalte Wasser.

Die Sonne scheint wieder und ich schaue auf eine Herde Kühe, die von den Hochwiesen herunter-schnellt. Gut, dass ich noch etwas von ihnen entfernt bin. Ich warte, bis sie ihren neuen Weideplatz gefunden haben und eine der Kühe sich auf den schmalen Wanderweg gelegt hat. Ich habe es vorgezogen, an der Kuh hinten herumzugehen. Von dem Glockengeläut der Geleitkuh begleitet, gehe ich durch die noch nicht gemähte blühende Wiese weiter, nicht ohne die vielen bunten Wiesenblumen fotografiert zu haben.

Vor mir sehe ich schon die zwei Hofalmen und das gewaltige Dachsteingebirge. Dieses ist heute – am letzten Tag – mein Wanderziel. Ich gehe noch einmal über den schönen Rundweg bis zum Almsee. Bewundere eine Bergwiese mit Wollgras. Schaue den Waldarbeitern bei der Arbeit zu. Riesige gefällte Bäume werden über einen Lift zu Tal gebracht und an dieser Stelle verarbeitet. Ich werde an den zwei riesengroßen Kränen vorbei gelassen und krabbele dann unter einen Zaun durch. Noch einmal gehe ich ein kurzes Stück durch einen Wald.

Ich trete aus den Wald heraus und stehe, wie vor einer Woche, wieder auf der großen Almwiese.

Große Felsen, die von Baumwurzeln umsäumt sind, liegen hier auf einer Hochwiese, geschmückt von Thymian und bunten Sommerblumen. Auch hier höre ich wieder die munter zu Tal plätzschernden Bächlein, die sich durch die vielen Regenfälle in den Hochwiesen gebildet haben. An einem besonderen Baum, einem Lerch, halte ich an und bestaune die sich an den Baumwurzeln gebildeten Pilze. Ich trete aus den Wald heraus und stehe, wie vor einer Woche, wieder auf der großen Almwiese. Hier habe ich mich vor 10 Tagen mit vielen Wanderfreunden getroffen. Hier am Almsee, an diesem besonderen Platz unterhalb der Bischofsmütze, im Dachsteingebirge. Welch eine Ruhe und welch ein Friede hier oben. Kaum Wanderer sind zu sehen und ich nehme Abschied. Schaue lange nach oben und spüre tiefen Frieden und Dankbarkeit in mir. Lange sitze ich auf einer Bank und beobachte die Enten im See und nehme das Wider-spiegeln der Gräser im Wasser wahr.

In einer der Hofalmen trinke ich ein letztes Mal die mit einer handvoll Heidelbeeren gefüllte so köstliche Buttermilch und mache mich dann auf den Heimweg. Es ist spät am Nachmittag.

Danke, danke, kann ich nur immer wieder sagen. Was für ein wundervoller, erlebnisreicher Tag! Was für nachhaltige schöne Begegnungen mit Menschen, mit Freunden, mit der Natur mit meiner netten Pensionswirtin und ihrer Familie und für die vielen kraftvollen Wanderungen. Ganz besonders denke ich an die Wanderung von der Moosalm zur Steinalm, wo mir hoch oben im Wald ein weißes Pferd entgegen kam. Aber das ist eine andere Geschichte.

(Danke an die Autorin. Eine Bildergalerie folgt in den nächsten Tagen)


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